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Jörg Reiners

Karl Reitter - unser Ehrenmitglied 2019

Mit Karl Reitter ehrt die Bundesarbeitsgemeinschaft Grundeinkommen in und bei der Partei DIE LINKE nun zum zweiten Mal eine Persönlichkeit, die sich für das linke Grundeinkommen verdient gemacht hat. Haben wir mit unserem ersten Ehrenmitglied Min Geum eine Person der Praxis auserkoren, betrachten wir Karl Reitter als den Taktgeber aus der Theorie in Sachen des linken, weil marxistischen Grundeinkommens.

Oder wie man Marx eigentlich lesen sollte

 

„Das Grundeinkommen erweist sich vor diesem Hintergrund als wesentliche Bedingung, die kapitalistische Gesellschaft zugunsten eines solidarischen Gemeinwesens zu überschreiten.“
So heißt es im Begleittext zu Karl Reitters Buch „Bedingungsloses Grundeinkommen“. Noch heute ist seine Schrift Pflichtlektüre für Menschen, die sich für emanzipatorische Grundeinkommen einsetzen.

Auch uns hat Reitters über dieses Buch hinausreichendes Denken stark beeinflusst. Und in kritischen Zeiten Mut gegeben. Oftmals ist man allzu leichtfertig geneigt, sich den obwaltenden Gegebenheiten in der aktuellen in Parteien organisierten gesellschaftlichen Linken als Befürworter*in eines „die Verhältnisse zum Tanzen bringenden“ Grundeinkommens geschlagen zu geben. Auch wir von der Bundesarbeitsgemeinschaft Grundeinkommen in und bei der Partei DIE LINKE können in ein Klagelied einstimmen, wenn wir uns bewusst werden, wie oberflächlich immer noch viele Linke, gerade auf der Funktionärsebene, sich dieser eminent wichtigen Sozialutopie widmen.

Wohl kaum eine andere Person hat sich dermaßen übergreifend mit „Marx“ auseinandergesetzt. Karl Marx und seine Schriften sind längst für viele Linke zu Devotionalien verkommen. Gerne wird das Marxsche Denken als Steinbruch für Zitate und Verweise aller Art gebraucht. Nicht von ungefähr darf man gerade Marx´ fundamentales Werk „Das Kapital“ als Bibel der Linken bezeichnen: Immer mehr Menschen, die sich dem linken Gesellschaftsspektrum zurechnen, huldigen dem Text eher als dass sie ihn unvoreingenommen als eine mögliche Arbeitsmatrix für das eigene politische Denken und Handeln verstehen.

Karl Reitter hingegen setzt sich in des Wortes wahrer Bedeutung kritisch mit dem Phänomen Marx auseinander und gewinnt auf diese Weise Erkenntnisse und Enttäuschungen, die dazu herreichen, Marx womöglich authentischer zu begreifen. Seine Sichtweise ermöglicht uns Marx guten Gewissens als „Stammvater“ linker Grundeinkommensutopien anzunehmen. Um im Vergleich zur Bibel zu bleiben, sieht Marx als erstrebenswerten Horizont gesellschaftlichen Bestrebens das „Reich der Freiheit“. Es ist geradezu die Entledigung von Bürden aller Art, die die politische Arbeit Linker ausmachen sollte. Die weitmögliche Reduktion des „Reichs des Notwendigen“ sollte sich eine Linke, die die Vielen glaubhaft in die Zukunft führen möchte, auf ihre Fahnen schreiben. Doch das Gegenteil ist gegenwärtig der Fall. Statt sich der Hamsterräder ein für alle Mal womöglich zu entledigen, übt man sich lieber im Polieren deren Trittstäbe.

Da ist es auch nicht verwunderlich, wenn sich linke Politik sehr schwertut, ins kuschelige Bild einer Erwerbsarbeitsromantik passende Antworten auf eigentlich herbeizusehnende technologische Fortschritte feilzubieten. Neuen Zeiten kann man halt nicht mit altem Denken begegnen! Karl Reitter zeigt uns hierbei auf, dass man deshalb Marx nicht auf den Müllhaufen der Geschichte werfen muss, vielmehr macht er uns bewusst, dass wir Marxens Denken nur in die Jetztzeit hinüberzuretten haben und ihn aus der Gegenwart heraus verstehen müssen.

Sein neuer Blick auf Marx gab und gibt uns sowohl in unseren theoretischen Überlegungen über das linke Grundeinkommen als auch in unserer alltäglichen Bestrebung, andere von der Sinnhaftigkeit unseres Grundeinkommenskonzeptes zu überzeugen, Kraft und dient uns als Fundament für ein Weitermachen in allzu widrigen oberflächlichen Zeiten, wie wir sie in der zeitgenössischen Linken Deutschlands vorfinden.

Karl Reitter ist deshalb Ehrenmitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft Grundeinkommen in und bei der Partei DIE LINKE im Jahr 2019.

Mehr zu, über und von Karl Reitter stellen wir nach und nach in unserer Mediathek bereit.