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Jörg Reiners

Ehrenmitglied 2020 - Sylvia Honsberg

Der Sprecher*innenrat der BAG Grundeinkommen in und bei der Partei DIE LINKE kürt die vor kurzem in den wohlverdienten Unruhestand gegangene vormalige Sprecherin der IG BAU Frauen Sylvia Honsberg zum Ehrenmitglied des Jahres 2020. Sie folgt dem südkoreanischen Sozialisten Min Geum und dem Marxisten Karl Reitter aus Österreich.

Sylvia Honsberg engagierte sich ehrenamtlich in der Jugendbildungsarbeit des DGB bevor sie dann über 35 Jahre beruflich in der Gewerkschaft arbeitete. Zunächst beim DGB Landesbezirk Hessen und seit 2001 als Bundesfrauensekretärin beim Bundesvorstand der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) in Frankfurt. Sie ist auch Autorin des Buches „Frauenlos - Geschlechterverhältnisse in den Gewerkschaften“. Die Diplom-Soziologin kennt die oft prekäre Lebenssituation alleinerziehender Mütter aus eigener Erfahrung und setzt sich insbesondere für die eigenständige soziale Sicherung von Frauen ein.

Neben etlichen anderen Aufgaben, zu denen auch die hauptamtliche Unterstützung des bundesweiten Arbeitskreises der IGay BAU gehörte, lag in Hunderten von Seminaren der Schwerpunkt ihrer Arbeit immer auf der politischen Bildung - sowohl als Hilfe zur Selbsthilfe für die Kolleginnen in den Betrieben, wie auch um gesellschafts- und gleichstellungspolitische Themen voranzubringen. Sie hat zahlreiche Kolleginnen in ihrer Gewerkschaft qualifiziert, selbst Seminare zu leiten und ein starkes Netzwerk der IG BAU Frauen auf Bundesebene initiiert. Das Spektrum der Berufe der rund 67.000 weiblichen Mitglieder der IG BAU, für die sie zuständig war, reicht von der promovierten Ingenieur-Geologin über Architektinnen, Bautechnikerinnen, Frauen in der Wohnungswirtschaft, im Forst und in der Landwirtschaft, Gärtnerinnen, Floristinnen bis hin zu der absolut größten Gruppe – den Kolleginnen in der Gebäudereinigungsbranche. In der ehemals fast reinen Männergewerkschaft ist heute unter den Erwerbstätigen jedes dritte Mitglied eine Frau.

Sylvia Honsbergs Engagement für ein BGE ist untrennbar mit den IG BAU Frauen verbunden.

Diese führen seit etwa zehn Jahren eine Zukunftsdiskussion zu der Frage „Wie wollen wir leben?“ unter den Aspekten Arbeit, Geld, Glück, Zeit, Freiheit sowie aktuell Digitalisierung und Lebensqualität. Über die Wochenzeitung „Die Zeit“ stießen sie auf die Positionen des Beschleunigungsforschers Dr. Hartmut Rosa für ein BGE und fingen an, sich über unterschiedliche Modelle zu informieren, zu diskutieren und eigene Kriterien zu entwickeln.

Sie stießen größtenteils auf Ablehnung bei anderen DGB-Gewerkschaften, fanden aber viele Menschen mit ähnlichen Zielen im Netzwerk Grundeinkommen, bei attac und Care-Revolution Rhein-Main, bei der BAG Grundeinkommen DIE LINKE wie auch bei den Kolleginnen ihrer eigenen Schwestergewerkschaften in Österreich und der Schweiz. 2016 sprach sich die Bundesfrauenkonferenz der IG BAU einstimmig für ein Bedingungsloses Grundeinkommen aus. Ein Jahr später beschloss der Gewerkschaftstag der IG BAU auf Antrag der Frauen, eine ergebnisoffene Diskussion über ein BGE auf allen Ebenen zu führen mit dem Ziel, eine eigene Position zu dem Thema zu entwickeln. Auch die DGB Bundesfrauenkonferenz nahm im November 2017 den gleichlautenden Antrag mit großer Mehrheit an.

Seitdem setzen sich die IG BAU Frauen verstärkt dafür ein, innerhalb und außerhalb der Gewerkschaften darüber aufzuklären, was ein emanzipatorisches bedingungsloses Grundeinkommen bedeutet, was es bewirken könnte, wodurch es sich von neoliberalen Modellen abgrenzt und welche begleitenden Maßnahmen notwendig sind. Sie haben eine gute Broschüre, Konzepte für kürzere Veranstaltungen sowie Seminare zu dem Thema entwickelt und sehen ihre Hauptaufgabe in dieser Basisarbeit. Derzeit haben sie eine virtuelle Aktion gestartet unter dem Motto „Recht auf Sein“. Jede Woche veröffentlichen sie ein neues, persönliches Statement für ein BGE. Rege Beteiligung ist erwünscht!

Sylvia Honsberg war oft das Gesicht dieser Bewegung in Seminaren, Artikeln, Buchbeiträgen, Podiumsdiskussionen und anderen öffentlichen Auftritten. Im März 2020 hat sie ihre Erwerbsarbeit in gute Hände übergeben und lebt jetzt in Römerberg bei Speyer. Auch als Rentnerin unterstützt sie ihre Nachfolgerin Renate Wapenhensch und die Frauen in der IG BAU. Nach wie vor engagiert sie sich für die gemeinsamen Ziele. Die Verwirklichung eines Bedingungslosen Grundeinkommens steht dabei auf ihrer Prioritätenliste ganz oben.


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